ERFAHRUNGSBERICHT DER TRAINERINNEN UND TRAINER

Eine Jeans auf Weltreise oder: Wirtschaft mal anders

Verwunderte Stille im Klassenraum der 7c: Eine Jeans und eine Weltkarte liegen zwischen den Schülern auf dem Fußboden. „Was hat das denn mit Wirtschaft zu tun?“ – „Jede Menge“, erklären die Wirtschaftstrainerinnen Ulrike Höbel und Eileen Wilhelmstrop. Denn heute steht eine Doppelstunde zum Thema „Globalisierung“ auf dem Programm. Gemeinsam mit den Schülern und Schülerinnen erarbeiten die Targobankerinnen den Produktionsweg einer Jeans. Schnell wird es lebhaft im Klassenraum, die Schüler diskutieren, woher die Rohstoffe wohl kommen und in welchen Ländern die einzelnen Produktionsschritte vorgenommen werden. Und staunen nicht schlecht, als sie am Ende eine Route von Indien, nach Taiwan über Polen, die Philippinen, Frankreich und Griechenland nach Deutschland auf der Weltkarte eingezeichnet haben. Das Interesse am Thema ist groß, und so beteiligen sich die Schüler anschließend auch rege an der Diskussion über die Vor- und Nachteile der Globalisierung.

Im Vorfeld haben sich die beiden Wirtschaftstrainerinnen, die eigentlich in der Unternehmenskommunikation der TARGOBANK tätig sind, viele Gedanken gemacht, wie sie bei den Schülern das Interesse für das „trockene“ Thema Wirtschaft wecken können. „Die reisende Jeans als Symbol der Globalisierung hat die Schüler besonders gepackt“, erzählt Eileen Wilhelmstrop, „aber es hat uns auch bei den anderen Unterrichtseinheiten beeindruckt, wie interessiert und lebhaft die Klasse mitgearbeitet hat.“

Sehr gespannt, und auch etwas nervös, hatten die beiden Kolleginnen im November 2016 ihre erste Unterrichtsstunde am Heinrich-Heine-Gymnasium im Mettmann angetreten. Würde es ihnen gelingen, die Inhalte vom Wirtschaftskreislauf bis zum bargeldlosen Zahlungsverkehr gut zu vermitteln? Schnell wird klar: Die Neugierde der Kinder für Wirtschaftsthemen ist groß. Die Schwierigkeit liegt für die Targobankerinnen eher darin, dass die Kinder alle auf einmal ihre Gedanken und Ideen zu den einzelnen Fragestellungen beitragen möchten und gleichzeitig viele einzelne laute Diskussionen entstehen. Neben kindgerechtem Erklären sind vor allem auch Moderationsfähigkeiten gefragt. Am Ende der Doppelstunde sind beide erschöpfter als nach einem normalen Arbeitstag. Ulrike Höbel lacht: „Es ist anstrengend, 90 Minuten lang die Aufmerksamkeit von knapp dreißig aufgeweckten Schülern zu bekommen, bei all den vielen Fragen den roten Faden nicht zu verlieren und dabei noch pünktlich zum Ende der Stunde die wichtigsten Inhalte untergebracht zu haben. Gleichzeitig aber ist es auch toll, so direkt das Ergebnis der eigenen Arbeit wahrnehmen zu können.“


Insgesamt vier Doppelstunden gestalteten die Wirtschaftstrainerinnen für die Klasse 7c des Mettmanner Heinrich-Heine-Gymnasiums. Gemeinsam mit dem Wirtschaftslehrer erarbeiteten die beiden Targobankerinnen Themen, die für die Jugendlichen interessant sein könnten. Das Projekt „FIT FÜR DIE WIRTSCHAFT“ bietet einen hervorragenden Leitfaden, der Wirtschaftstrainer in der Unterrichtsausgestaltung unterstützt. Oberthemen, wie Marktwirtschaft & Globalisierung, Traumberuf & Bewerbung, Verträge& Schulden sowie Bankgeschäfte & Sparen werden auf über 130 Seiten beleuchtet. Die ausführliche Ausgestaltung der Themen im Leitfaden und das beiliegenden Arbeitsheft für die Schüler erleichtern die Unterrichtsplanung für die Trainerinnen.

So entstanden für die Klasse 7c vier abwechslungsreiche Doppelstunden zu den Themen „Was ist Wirtschaft?“, „Bedürfnisse und Güter“, „Globalisierung“ und „Geld/Währungen und Zahlungsverkehr“. An die aufgeweckte, laute Arbeitsatmosphäre hatten sich die beiden Bankerinnen schnell gewöhnt. „Es hat einfach Spaß gemacht zu sehen, dass die Kinder diese andere Art von Unterricht schätzten und interessiert mitarbeiteten“, stellt Eileen Wilhelmstrop fest.

Die letzte Stunde war ein besonderer Erfolg für Groß und Klein: Zertifikate für die Kinder und ein lauter Applaus für die Trainer ließen alle strahlen.

Ulrike Höbel fasst zusammen: „Nicht nur die Kinder haben etwas von uns gelernt, auch wir von Ihnen. Die Kinder besitzen jetzt gutes wirtschaftliches Grundwissen, an das sie in Zukunft anknüpfen können. Neben dem guten Gefühl, etwas Sinnvolles getan haben, haben wir Trainerinnen davon profitiert, die Themen einmal aus anderer Perspektive aufgearbeitet und vor einem ganz anderen, kritischen Publikum präsentiert zu haben.“ Eileen Wilhelmstrop ergänzt: „Trotz der Anstrengung und der neuen Herausforderung können wir nur alle motivieren: Tretet aus eurer Komfortzone heraus und kehrt zurück in die Schule – es lohnt sich!“

FIT FÜR DIE WIRTSCHAFT - miteinander und voneinander lernen

Als Fotini Gousiou-Schöffler, bei der TARGO Dienstleistungs GmbH in Duisburg Mitarbeiterin im Bereich Internetbetrug, erfuhr, dass TARGOBANK Mitarbeiter im Rahmen von FIT FÜR DIE WIRTSCHAFT in die Schulen gehen, um dort Wirtschaft zu unterrichten, war ihr Interesse geweckt. Die Mutter von vier Kindern bewarb sich beim Projektmanagement von FIT und gab als Wunsch an, in Wohnortnähe zu unterrichten, also in Mönchengladbach.

Das Projektteam in Köln nahm ihren Wunsch gern auf und setzte sich umgehend mit Frau van den Berk, Lehrerin an der Gesamtschule Espenstraße, in Verbindung. Auf die Anfrage reagierte sie prompt und bestätigte ihr Interesse an einer Teilnahme. Somit war der erste und wichtigste Schritt getan.

Als nächstes wurden alle Teilnehmer – Wirtschaftstrainer wie Lehrer – zu Projektschulungen eingeladen, die immer am Anfang einer Phase stattfinden. Diese sollen den Einstieg in das Projekt erleichtern, das Kennenlernen des Projektpartners ermöglichen sowie auf den Unterricht vorbereiten. Frau Gousiou-Schöffler nahm das Angebot wahr und ließ sich zusammen mit anderen Trainern und Lehrern den Projektablauf und die Materialien erklären. 

Nach der Schulung nahmen die Beiden zueinander Kontakt auf, um sich wegen der anstehenden Unterrichtsstunden zu besprechen: Termine wurden vereinbart und eine Themenauswahl getroffen. Da Frau van den Berk ursprünglich drei Klassen angemeldet hatte erklärte sich Frau Gousiou-Schöffler spontan bereit, alle drei Klassen zu übernehmen.

 

Der abwechslungsreiche Unterricht startete für die Schüler der drei neunten Klassen im Mai 2016. Gemeinsam mit Lehrerin van den Berk hat sie die Neuntklässler der Gesamtschule Espenstraße in Mönchengladbach fit für die Wirtschaft gemacht und dabei sogar selber was gelernt: „Bei dem Thema Handyverträge wussten die Schüler viel mehr als ich und haben mir wertvolle Tipps geben können“, so Gousiou-Schöffler. Zum Thema AGB habe zunächst Unklarheit geherrscht. Aber mit dem Hinweis, dass die Schüler die Allgemeinen Geschäftsbedingungen beispielsweise bei Facebook oder Twitter als gelesen bestätigen müssen, konnten alle was anfangen.

Etwaige anfängliche Unsicherheiten mit der für beide Seiten neuen Situation wurden schnell aus dem Weg geräumt: „Sobald die Jugendlichen feststellten, dass mir die gängigen Superstars bekannt sind, fand ich schnell Akzeptanz“, schmunzelt Gousiou-Schöffler. So hat sie anhand von Kim Kardashian die Preisbildung bei Modeartikeln veranschaulicht. Dieser besonders lebens- und praxisnahe Unterrichtsstil war der Garant für eine spannende, unterhaltsame und lehrreiche Zusammenarbeit.

Frau van den Berk war von der Zusammenarbeit mit der Wirtschaftstrainerin begeistert: „Frau Gousiou-Schöffler ist mit ihrer offenen, netten und schülerzugewandten Art sehr gut bei den Schülern angekommen.“ So möchte die Lehrerin auch weiterhin an dem Projekt teilnehmen, denn „es waren viele interessante und für die Lebenswelt der Schüler sehr relevante Aspekte und Themen dabei, daher hatten wir in den Stunden lebhafte und interessierte Beteiligung.“ Auch die Trainerin will sich im Rahmen von  FIT FÜR DIE WIRTSCHAFT wieder an der Schule engagieren, denn neben zahlreichen neuen Erfahrungen, die sie als Lehrerin auf Zeit sammeln konnte, hat das Projekt vor allem Spaß gemacht.

Zum Ende hin kam sogar die Presse in den Unterricht: Sowohl die Westdeutsche Zeitung als auch die Rheinische Post berichteten über das Projekt. Alles in allem war es für alle Beteiligten ein voller Erfolg.